Ich habe mir vor einigen Jahren einen 3D Drucker gekauft. Nicht mit dem Ziel, Objektive zu adaptieren, sondern aus reinem Interesse an der Technologie.
Zunächst habe ich für meinen Sohn neue Teile für die Murmelbahn gedruckt. Irgendwann bin ich aber auf die Idee gekommen auch für Kameras und Objektive Teile zu drucken. Ich bin nicht der Erste, der auf diesen Einfall gekommen ist. So lassen sich auf zahlreichen Internetseiten Kappen, Gegenlichtblenden und Adapter herunterladen.

Der 3D Drucker bietet mir die Option maßgefertigte Teile zu drucken. Besonders nützlich für seltene Objektive oder Reparaturarbeiten. Ich habe auch schon ein Werkzeug gedruckt, mit dessen Hilfe ich einen Springblende reparieren konnte.
So kam es, dass mir ein Zoomar 90mm f/2.8 Makro Zoomatar in die Hände gefallen ist. Zoomar ist heute vielen kein Begriff mehr. Der Kopf hinter diesen Markennamen war allerdings ein Pionier: Heinz Kilfitt. Herr Kilfitt ließ in München und Vaduz höchstwertige Optiken und Kameras entwickeln und herstellen.
Die Objektive aus dem Hause Kilfitt/Zoomar nutzten einen universellen Ki-Anschluss. Für diesen Anschluss konnte man damals (50er/ 60er Jahre) entsprechende Adapter für seine Kamera dazukaufen. Es gab zum beispiel Adapter für Nikon, M42 und C-Mount.
Diese Adapter sind äußerst rar und werden zu absurden Preisen angeboten.
Das Zoomatar 90mm um das es in diesem Artikel geht kam mit einem C-Mount zu mir. Der C-Mount findet heute kaum noch Verwendung und begrenzt zudem den nutzbaren Bildkreis. Ursprünglich für 16mm Filmkameras gedacht, eignet sich dieser Anschluss überhaupt nicht um das Objektiv an digitale Kameras zu adaptieren.
So blieb als Ausgangsbasis nur der Ki-Anschluss übrig.

Einzige Option: einen eigenen Adapter entwerfen
Mittels eines digitalen Messschiebers habe ich die Maße des Ki-Anschlusses aufgeschrieben und in ein CAD Programm übernommen. Neben Umfang war auch die Materialstärke relevant, da ein Überwurfring den Adapter befesigte. Ein Loch für einen Stift musste nach dem Druck ebenfalls gebohrt werden.
Besonders herausfordernd war das Sicherstellen der Unendlichkeitsstellung. Ist der Adapter zu lang, so wird nie unendlich erreicht – man kann das Objektiv nur als Makro nutzen. Ist der Adapter zu kurz, so wird unendlich bereits vor dem Anschlag des Heliocoids zum Fokussieren erreicht. Die korrekte Distanz habe ich schlichtweg durch Ausprobieren herausfinden können und mich immer weiter an das korrekte Auflagemaß herangetastet.
Insgesamt habe ich 9 Prototypen gedruckt, bevor ich zufireden war.
Das M42 Gewinde habe ich zunächst auch mittels 3D Druck angefertigt. Das funktioniert erstaunlich gut. Ich habe allerdings dann aufgrund von Bedenken gegenüber der Haltbarkeit des Gewindes auf einen M42 Zwischenring umgestellt.

Der selbstgedruckte Adapter ist in der finalen Version also nur ein Zwischenstück. Es verbindet den Ki-Anschluss mit einem M42 Zwischenring aus Metall. Das Material aus dem 3D Drucker ist sehr fest, sodass es keine Bedenken das erhebliche Gewicht des Objetkivs zu tragen. Der Metallring bietet die entsprechende Langlebigkeit des M42 Gewindes ab.
Das Zoomar 90mm Zoomatar f/2.8 ist ein tolles Objektiv und kann dank des Adapters nun wieder an diverse Kameras angeschlossen werden. So habe ich das Objektiv testhalber an meine Nikon D700 aber auch an einer Sony Alpha 7 angeschlossen.
Das Objektiv bildet bereits ab Blende f/4 schon recht scharf ab. Dabei erfreut man sich an der hochwertigen Verarbeitung der Optik. Die maximale Vergrößerung beträgt übrigens 2 zu 1.
Spannend auch, der Ansatz von Kilfitt mittels unterschiedlichen Schleifradien der Linsen ein Apochromatisches Objektiv zu bauen. Die unterschiedlichen Radien des Schliffs finden sich im Bokeh wieder. Es bilden sich interessante Kreise aus, wenn das Motiv im Vordergrund ist.

Mit der beschriebenen herangehensweise habe ich inzwischen bereits 3 Objektive von Heinz Kilfitt wieder in den Markt eingebracht. Diese wundervollen Objektive haben in meinen Augen eine weitere Verwendung verdient.

